Offizielle Orgeleinweihung

 
Am 18. Oktober 2024 war es endlich so weit: Unsere restaurierte Orgel wurde feierlich eingeweiht. Sieben Jahre lang hatten wir regelmäßig über die spannende Geschichte berichtet, die unsere Gemeinde mit ihrer Marienkirche zu etwas ganz Besonderem macht: 2017 hatte unser damaliger Pfarrer Daniel Dettling eher durch Zufall die Reste einer alten Orgel in der Pfarrscheune entdeckt, die dort über 40 Jahre gelagert hatte.
Erst nach der Begutachtung durch Dr. Kares vom Orgelbauamt wurde klar, dass dieser Fund einer kleinen Sensation gleichkam: Es stellte sich heraus, dass diese „Reste“ keine Reste  sind, sondern die fast vollständig erhaltene Hans Christian Goll-Orgel aus dem Jahr 1870, die damals in der Marienkirche eingebaut war. Bei der Kirchenrenovierung Anfang der 1970er Jahre wurde sie entfernt und durch eine moderne Elektronik-Orgel ersetzt. Nicht, weil sie kaputt war, sondern weil man in dieser Zeit dem Zeitgeist folgend etwas gegen das „Alte“ hatte, wie es Dr. Kares formulierte.
Aus heutiger Sicht ist es fast unvorstellbar, dass dieses unerkannte Kleinod in 50 Jahren tatsächlich fast in Vergessenheit geriet. Die alte Romantik-Orgel ist eine Besonderheit und gibt der Langenalber Marienkirche ein Alleinstellungsmerkmal im gesamten süddeutschen Raum zurück. Der Sachverständige des Landesdenkmalamtes schrieb 1971 über das Langenalber Instrument: „Für die dortige Pfarrkirche hatte Goll eine sehr qualitätvolle mechanische Kegelladenorgel geliefert. Es existieren zwar in Nord- und Südbaden noch eine Reihe von mechanischen Orgeln mit dieser Ladenbauart; das Werk zu Langenalb darf aber ohne Zweifel zu den besten  Orgeln dieser Gattung gezählt werden.“ Die Nachricht vom Fund und der Vollständigkeit der alten Orgel verbreitete sich wie ein Lauffeuer. Mit Benefizveranstaltungen der Kirchengemeinde, einem Orgelförderverein und begeisterter Unterstützung der örtlichen Vereine und Einwohner konnten die Restaurierungskosten von rund 100.000 Euro aufgebracht werden. Orgelbaumeister und Restaurator Wolfram Stützle aus Waldkirch machte sich an die Arbeit. Aufgrund des Holzwurmbefalls und auch weil viele Orgelpfeifen fehlten, war die Restaurierung allerdings deutlich arbeitsintensiver als gedacht – und nicht zuletzt machte Corona einen Strich durch die ursprüngliche Zeitplanung.
Offizielle Einweihung am 18. Oktober 2024
„So eine Orgel muss man sich vorstellen wie ein Haus mit mehreren Etagen. Hier in Langenalb haben wir zwei Manuale und ein Pedal, also sozusagen drei Stockwerke. Und in jedem Stockwerk wohnt eine bestimmte Pfeifenfamilie. Ganz unten wohnen zum Beispiel Oma und Opa. Können Sie sie hören?“ Schwungvoll zieht Dr. Martin Kares an den Registern der restaurierten Ludwig-Goll-Orgel in der Marienkirche in Langenalb und beginnt dann mit den Füßen auf den Pedalen einen wilden Tanz. Dumpfe, tiefe Töne erklingen aus den längsten und damit tiefsten Pfeifen. Auf einigen Gesichtern der Gäste blitzt erst Erstaunen, dann Heiterkeit auf: Der Leiter des Glocken- und Orgelamtes im Evangelischen Oberkirchenrat in Karlsruhe hatte spontan „Meine Oma fährt Motorrad im Hühnerstall“ angestimmt. Eine knappe Stunde lang stellte Dr. Kares so informativ und humorvoll die frisch restaurierte Orgel der interessierten Gemeinde vor. Gemeinsam mit Orgelbauer Wolfram Stützle wurden alle Fragen zu Pfeifenarten, Stimmung und Mechanik einer Orgel beantwortet. Die rund 70 Gäste, die sich am Abend des 18. Oktobers 2024 zur offiziellen Einweihung der Orgel in der Marienkirche versammelt hatten, lauschten den beiden Experten begeistert. Zuvor hatte Pfarrer Oliver Elsässer die Anwesenden herzlich begrüßt. Anschließend sprach Bürgermeister Helge Viehweg in einem Grußwort seinen Dank und seine Anerkennung für die Leistung der vielen Unterstützerinnen und Unterstützer beim Wiederaufbau der Langenalber Orgel aus. Der ehemalige Pfarrer von Langenalb/Marxzell und „Entdecker“ der Orgelreste in der Pfarrscheuer, Schuldekan Daniel Dettling, musste krankheitsbedingt leider absagen. Sein persönliches Grußwort wurde jedoch auch in seiner Abwesenheit verlesen.
Mit der Veranstaltung bedankte sich der Kirchengemeinderat bei allen Spenderinnen und Spendern, die auch durch ihr Engagement im Förderverein „Orgelfreunde der Marienkirche in Langenalb“ rund 22.500 Euro aufgebracht haben. Dies entsprach etwa einem Viertel der Gesamtkosten der Restaurierung und war eine große Hilfe für die Kirchengemeinde. Die restlichen Kosten wurden durch Zuschüsse der Landeskirche, des Landesdenkmalamtes und zahlreicher Stiftungen gedeckt, wie Pfarrer Elsässer betonte: „Vielen Dank an alle, die da mitgeholfen haben. Das ist für eine so kleine Gemeinde wie Langenalb-Marxzell eine Leistung, auf die man stolz sein kann!" Im Anschluss an die Veranstaltung waren die Gäste zu einem Umtrunk und vertiefenden Gesprächen eingeladen, was trotz der fortgeschrittenen Zeit von vielen begeistert angenommen wurde.
 
 
 
Unsere Orgel in den Medien