Glocken in den Gemeinden

Süßer die Glocken ...
 

Süßer die Glocken nie klingen, Bruder Jakob, Hört ihr Herrn und lasst Euch sagen, … Es gibt viele Lieder, in denen Glocken vorkommen. Doch wann läuten die Glocken eigentlich? Wir haben für Sie die Grundlagen sowie Fortgeschrittenen- und Expertenwissen zusammengestellt. Sie finden hier Informationen sowohl über unsere Hauptkirche in Langenalb als auch über die Ortsteile von Marxzell. Das Läuten der Glocken in den Ortsteilen wird durch die katholische Seelsorgeeinheit Marxzell bestimmt.

Grundlagen.

Man unterscheidet „kirchliches“ und „weltliches“ Geläut. Zum weltlichen Geläut gehört der Stundenschlag. In unserer Gemeinde werden die Glocken zur vollen Stunde und jeweils zur Viertelstunde geschlagen, wobei in allen Ortsteilen unterschiedliche Glocken für den Stundenschlag und für die Viertelstundenschläge eingesetzt werden. Beispielsweise wird in der St. Josef Kirche in Pfaffenrot die größte Glocke zum Stundenschlag und die zweitgrößte Glocke für den Viertelstundenschlag eingesetzt. Bemerken Sie den Unterschied? Der Uhrschlag soll über die reine Information der Uhrzeit hinaus auch an die Vergänglichkeit erinnern: Unsere Zeit steht in Gottes Hand.

Fortgeschrittene.

Kirche St. Peter und Paul Burbach
Im Gegensatz zum weltlichen Geläut ist das kirchliche Geläut in Deutschland durch die Religionsfreiheit grundgesetzlich geschützt. Hätten Sie das gedacht? Beim kirchlichen oder geistlichen Läuten orientieren sich die Kirchen an den Gebetszeiten der Klöster (morgens, mittags, nachmittags und abends). Im Leitfaden der Landeskirche „Hörst du nicht die Glocken“ sind die Läutzeiten mit 9 Uhr, 12 Uhr, 15 Uhr und 18 Uhr angegeben, die auf dem Zifferblatt einer Uhr das Kreuz ergeben. Jedoch entscheiden die Gemeinden selbst, um welche Uhrzeit sie genau zum Beten läuten. In der Marienkirche Langenalb geschieht dies in der Winterzeit um 6:00 Uhr, 11:00 Uhr, 15:00 Uhr und um 19:00 Uhr. Eine kleine Kuriosität gibt es hier auch: Denn in der Sommerzeit ändert sich hier (nur) das 3. Läuten am Nachmittag auf 16:00 Uhr. Es gibt unterschiedliche Ansichten darüber, wofür man zu diesen Tageszeiten beten sollte. Eine moderne Auffassung ist: morgens für einen gelingenden Tag; mittags für den Frieden; nachmittags für die Gerechtigkeit; abends für die Bewahrung der Schöpfung.

St. Maria Kirche Schielberg
Besonders lange läuten die Glocken vor dem Gottesdienst am Sonntag, aber auch bei Hochzeiten, Beerdigungen oder sonstigen Gottesdiensten. In Schielberg wird z.B. zunächst jeweils eine und eine halbe Stunde vor dem Gottesdienst mit der großen Glocke ein paar Minuten geläutet. Zehn Minuten vor Beginn des Gottesdienstes erklingen die Glocken dann wieder und läuten etwa fünf Minuten lang. Wer also in den Gottesdienst möchte und noch nicht auf dem Weg ist, sollte sich nun etwas beeilen. Für diese hörbare Einladung in den Gottesdienst, auch Zusammenläuten genannt, werden üblicherweise die vorhandenen Glocken nacheinander eingesetzt, bis sie alle gemeinsam läuten. Auch beim Zusammenläuten ist es also interessant hinzuhören. Können Sie heraushören, dass hier mehrere Glocken eingesetzt werden und vielleicht sogar, wie viele es sind? (*Lösung siehe unten)

Experten.

Schließlich gibt es noch besondere Anlässe, an denen die Glocken von Hand bedient werden. Nein, nicht ganz von Hand, die Kirchendienerin muss also nicht auf den Kirchturm klettern; vielmehr gibt es Schalter (meist in der Sakristei - in der Wendelinuskapelle aber z.B. am Eingang), mit denen man einzelne Glocken per “Fernbedienung” ein- und ausschalten kann. Bei der Taufe wird in Langenalb mit der kleinsten und hellsten Glocke, unserer Segensglocke, geläutet. Die größte Glocke dagegen wird in Verbindung mit dem Abschiednehmen eingesetzt, d.h. wenn jemand gestorben ist. In Langenalb geschieht das jeweils abends nach Bekanntwerden des Sterbefalls kurz nach 19:00 Uhr. Ebenso wird eine einzelne Glocke während des Gottesdienstes beim Vaterunser oder bei den Einsetzungsworten zum Abendmahl bedient. In Langenalb und in Schielberg kommt hier die zweitgrößte Glocke zum Einsatz. In Schielberg läutet sie zweimal für wenige Sekunden.
Wer also sonntags morgens dieses kurze Glockenläuten hört, ist herzlich eingeladen, mit der gesamten Gemeinde das Vaterunser mitzubeten.

*Des Rätsels Lösung: In Langenalb sind es drei. In Schielberg und Pfaffenrot sind es fünf; in Burbach und Marxzell sind es vier. Übrigens wurde die vierte Glocke in Marxzell erst kürzlich hinzugefügt: am 5. Mai 2019 fand ihre Glockenweihe statt.

Läuten Sie die Glocken der Marienkirche!
Hier können Sie die Glocken der Marienkirche läuten lassen:
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Weiteres Wissenswertes über unsere Glocken

Während des ersten und zweiten Weltkrieges wurden viele Kirchenglocken eingesammelt und eingeschmolzen. Das Metall wurde dann für Waffen benutzt. Auch Langenalb durfte nur eine Glocke behalten. Nach dem zweiten Weltkrieg wurden dank Spenden vieler Gemeindeglieder sowie durch Mittel der Kirchengemeinde und der politischen Gemeinde zwei Glocken wieder beschafft (Glockenweihe 1950). Diese beiden Glocken tragen die Widmungen: “Er ist unser Friede” und “O Land, Land, Land, höre des Herrn Wort!”