Sensationsfund in Langenalb
Über 600 Jahre ist die wechselvolle Geschichte der evangelischen Kirche in Langenalb, mit vielen Aufs und Abs und zwei grundlegenden Renovierungen in jüngster Vergangenheit Anfangs der 70er Jahre und zuletzt 2007. Mit der anstehenden Renovierung der Orgel wird man nun einen weiteren Teil Geschichte schreiben.
Was wissen wir über die Vergangenheit der Kirche? Historisch verbürgt ist, dass Ritter Cuntz von Schmalenstein mit seinem Anteil an der Burg Straubenhardt und anderen Besitzungen sein Dorf Langenalb an den Markgrafen Bernhard und Rudolf von Baden verkaufte. Seitdem stand die Landeshoheit bei der Markgrafschaft. Markgraf Bernhard I vermachte zwar in seinem Testament den Ort dem Kloster Herrenalb, doch scheint diese Verfügung nie in Kraft getreten zu sein. Denn Güter aus einer Straubenhardtschen Erbschaft wurden 1443 an Jakob I verkauft. In dessen Testament von 1453 wird Langenalb als zum Amt Pforzheim gehörend aufgezählt.
In der Chronik findet man die erste Erwähnung der Kirche im Jahre 1413, der Gründung der damals katholischen Kirchengemeinde(1456) und dem Übertritt zur evangelischen Konfession, vermutlich im Jahre 1556. Das altehrwürdige Gotteshaus zählt zu den Kunstdenkmälern des einstigen Amtsbezirkes Pforzheim, über die es noch folgendes zu berichten gibt: Sie steht auf einem schönen Fleckchen Erde einer kleinen Anhöhe des Federbachtales. Seit 1452 gibt’s es hier eine eigene Pfarrei, vorher war Langenalb eine Filiale von Grafenhausen. Zu dem heute noch stehenden massiven Turm gehörte ein Kirchenraum, der in einer Eingabe vom Jahre 1832 als 350-jährig bezeichnet wird. Vom damaligen Südportal stammt wohl auch die wunderbar gearbeitete Tür, die heute noch vom Kirchenspeicher in den Turm führt und die Jahreszahl 1486 trägt. Die „Marienkirche“ ist eine sogenannte Wehrkirche und diente in kriegerischen Zeiten als Zufluchtsort. Gewaltige Mauern und Schießscharten im Turm belegen den wehrhaften Zweck.
Als eine große Bereicherung für die Kirche sah man beim Umbau 1974 den Einbau einer neuen Orgel. Die neue Elektro-Orgel mit 700 Pfeifen und 24 Registern wurde zu einem beeindruckenden Klangkörper. Doch die Orgel ist nun mit über 40 Jahren in die Jahre gekommen und bedarf einer dringenden Restaurierung. Die örtlichen Vereine und die Kirchengemeinde selbst brachten sich mit Benefizveranstaltungen deren Erlöse der Orgelrestaurierung zugute kommen werden ein, damit diese Herkulesaufgabe von der Kirchengemeinde auch finanziell zu meistern ist. Herr Dr. Kares vom Orgelbauamt der Landeskirche war deshalb hier vor Ort um den Zustand der Orgel in der Kirche zu begutachten. Ertüchtigungen sind dringend nötig, denn die Elektrik ist veraltet und die Spielbarkeit eingeschränkt. Bei diesem Besuch begutachtete er auch die Holzpfeifen der alten Langenalber Orgel die noch im Kirchturm lagerten. Der Hinweis, dass noch weitere „Reste“ der Orgel auf dem Dachboden der Pfarrscheune lagern kam einer kleinen Sensation gleich. Es stellte sich heraus, dass die „Reste“ keine Reste sind, sondern die fast vollständig erhaltene Chr. Ludwig Goll Orgel aus dem Jahr 1870. Diese Orgel wurde nur für die Langenalber Marienkirche gebaut und bildete eine Einheit mit ihr. Bei der Kirchenrenovierung Anfang der 70er Jahre wurde sie entfernt und durch die heutige Orgel ersetzt. Nicht weil sie kaputt war, sondern weil man in dieser Zeit dem Zeitgeist folgend etwas gegen das „Alte“ hatte, wie es Dr. Kares formulierte. Jetzt ist die alte Orgel wieder da, die erstaunlich gut erhalten über 40 Jahre unbemerkt auf dem Dachboden ihr Dasein fristete. Damit ergeben sich für den Kirchengemeinderat und Pfarrer Daniel Dettling vollkommen neue Aspekte, mit deren Umgang man sich nicht leicht tun wird. In jedem Fall ist es eine Chance, denn diese Orgel ist eine Besonderheit und gäbe der Langenalber Marienkirche ein Alleinstellungsmerkmal im gesamten süddeutschen Raum. Um sich ein genaueres Bild zu verschaffen wurde in einer tagesfüllenden Aktion unter der fachkundigen Anleitung von Wolfram Stützle aus Waldkirch Teilen des Kirchengemeinderates und freiwilligen Helfern, die Originalteile vom Dachboden geholt, sortiert und fachgerecht gelagert. Die Kirchengemeinde bittet alle Langenalber die noch im Besitz alten Orgelpfeifen sind, das Pfarramt zu informieren und die Pfeifen dort abzugeben. Hierzu muss man wissen, dass die Bevölkerung beim Abbau der alten Orgel in den 70er Jahren gegen einen kleinen Obolus Orgelpfeifen erworben werden konnten. Jetzt kommt es darauf an, dass möglichst viele dieser Pfeifen zurück gegeben werden, dass bei einer möglichen Rekonstruktion weniger neue Pfeifen benötigt werden.